Der gnadenlose Abstieg des Roy P.

Ich hatte mir nach dem Leverkusenspiel eigentlich geschworen, nie wieder mit einem Fanzug der deutschen Bahn quer durch Deutschland zu fahren. Nunja, am gestrigen Samstag saß ich nichtsdestotrotz um 10:05 Uhr im Fanzug, der sich um Viertel nach Zehn in Richtung Frankfurt aufmachte. Diesmal mit an Bord, die liebenswerte Diana, die sich natürlich ohne das entsprechende Geld für die Fahrt zahlen zu können mit auf den Weg machte und Carsten, der eigentlich Schuld daran war, dass ich nun in diesem Zug saß.

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Am Tag zuvor nervte mich Diana so dermaßen und penetrant, dass ich also zusammen mit ihr noch einen Kasten Bier besorgte. Uns Vieren standen nun eine knapp Vier Stunden lange Zufahrt bevor. In Frankfurt angekommen machte jedoch der Bierkasten völlig unerwartet die schlechteste Figur von uns. Etwas wirklich Erwähnenswertes gibt es von der Hinfahrt eigentlich nicht zu berichten, vielleicht außer der Tatsache, dass sich auch in einer knietief vollgepinkelten Bahntoilette Liebe machen lässt. Kurz vor halb Drei erblicken wir dann die Skyline Frankfurts. Knapp Zehn Minuten später war dann schließlich der Bahnhof „Frankfurt - Stadion“ erreicht.

Nun offenbarte sich, warum das Frankfurter Stadion früher, bevor es zur „Commerzbank Arena“ umbenannt wurde, einst „Waldstadion“ hieß. Umgeben von einem kahlen Wald, tauchte sie dann plötzlich vor uns auf. Die Commerzbank Arena. Etwas verwirrt von den äußerst laschen Eingangskontrollen machten wir uns dann etwa eine halbe Stunde nach Ankunft in der Messestadt auf in Richtung unseres Blocks 20A. Fünf Minuten später war auch diese Etappe erfolgreich gemeistert und wir warfen zum ersten Mal einen Blick in das Innere der WM Arena. Und ich muss ehrlich zugeben, dass die Frankfurter schon genau wissen, wie man ein Bundesligaspiel inszenieren kann.

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Dazu noch die beeindruckende und lautstarke Westtribüne und eine perfekte Fußballatmosphäre war perfekt. Das Spiel selbst war dies allerdings überhaupt nicht. Erschreckend schwacher 96er, die von erschreckend schwachen Fans mehr oder weniger unterstützt worden sind verloren also fast zwangsläufig mit 0:2. Das Spiel war gegessen, die Rückfahrt stand bevor. Bahntypisch begann sie mit einer Verspätung, ging dann weiter mit einer „Deportierung“ der Fans in einen anderen Zug, der schon am Hauptbahnhof in Mainhatten bereitstand und mündete schließlich in das mit Abstand lustigste, was ich je in einem Fanzug erlebt hatte. Denn als sich die erste allgemeine Aufregung legte, stand er plötzlich da: Roy Präger! Die alte Wolfsburger Schnapsdrossel hatte sich neben der Kickerei wohl noch als Polizist ein zweites Standbein geschaffen und passte nun schön darauf auf, dass sich zwischen den einzelnen Abteilen die Bodenbeläge nicht unerwartet lösen. Anders kann ich mir dieses unglaublich sinnlose Rumstehen der Beamten nicht erklären. Anfangs waren wir uns nicht so sicher, ob wir den echten Roy Präger vor uns hatten, aber ein Blick auf seine Nase ließ dann keine Zweifel mehr zu. Er war es definitiv! Auch seine Körpergröße von geschätzten 1,49m ließ uns immer fester daran glauben, dass er es wirklich war. Nach knapp einer Stunde Fahrzeit war Roy dann auch schon extrem angepisst, weil er wohl nicht wahrhaben wollte, dass man ihn als ehemaligen Fußballprofi erkannte. Berufsrisiko! So rasten wir also mit dem einzig wahren Roy mit 258 km/h durch Wolfgang, ohne auch nur irgendwelche dumpfen Geräusche wahrzunehmen. Doch dann standen wir irgendwann. Und wir standen und standen und standen. Nichts ging mehr voran. Bis vielleicht auf den Hunger, der sich immer wieder bemerkbar machte. So kam es dann, dass im Namen von „Takahara International“ bei der Auskunft angerufen wurde, um einen Pizzabringdienst zum Zug zu lotsen. Das einzige Problem an der Sache war, dass diese unfähigen Angestellten der Auskunft nicht in der Lage sind, die Pizzabringdiensttelefonnummern zwischen Frankfurt und Hannover rauszusuchen. Und das obwohl wir eindeutig klar machten, dass wir direkt an einem Pfeiler gestrandet waren. Auch Roy konnte uns nicht weiterhelfen. Irgendwann ging es dann aber auch mal weiter, weil die gezogene Handbremse irgendwann wieder gelöst wurde. Kaum war das eine Problem gelöst, schon entstand das Nächste. Sowohl Kippen, als auch Bier neigten sich dem Ende. „Haste Kippen?!?“ entwickelte sich zur meist gestellten Frage des Abends. Leider mit geringem Erfolg. Doch mit Roy vor der Nase wurde die K – Frage schnell zur Nebensache. Angepisst versuchte er uns zu ignorieren, aber wenn wir Fußballfans mal einen Weltstar wie Roy Präger vor uns haben, dann geben wir nicht so schnell auf. Doch leider nahm er unsere zahlreichen Einladungen nicht ein und ignorierte und konstant. Kurz nach Bebra machte sich jedoch der Durst wieder deutlich bemerkbar, sodass wir Diana, die sich netterweise dazu bereiterklärte, in Richtung Getränkeabteil schickten. Kurz vor Göttingen kam sie dann wieder und brachte uns kleine Annehmlichkeiten in Form von Gerstensaft mit. Sie selbst hatte es natürlich nicht nötig, sich selbst etwas zu kaufen geschweige denn, es selbst zu bezahlen. So wurde also alles, was das Diansche Herz begehrte schnell zusammengeschnorrt. Ich bin mir relativ sich, dass sich diese Frau auch wochenlang ohne einen einzigen Cent in der Tasche zu haben, durch die luxuriösesten Lebensstandards schnorren kann. Hannover, oder wie es die Frankfurter schreiben würden „Hannowa“, rückte immer näher und Roys Laune näherte sich immer mehr dem Tiefpunkt. Zumindest sah er , als der Zug in den hannoverschen Hauptbahnhof einfuhr, nicht sehr glücklich aus. Er hatte sich in weiser Voraussicht schon einmal ein kleines Guckloch in die Scheibe geschaufelt und konnte so seine Flucht vor den bösen Fußballfans exzellent planen. Es half aber nichts. Freundlich wie wir sind, verabschiedeten wir uns noch von ihm und machten uns dann auf den Weg nach Hause. Und somit war dann auch die lustigste Auswärtsfahrt einmal zu Ende. Eine Fahrt, auf der ich gemerkt habe, wie sehr ich Dialekte hasse.


Nebenbei möchte ich hiermit meinen Rücktritt vom Fanzugfahrens bekannt geben. Dies war sie nun, die definitiv letzte Auswärtsfahrt mit der deutschen Bahn! Und sie war Ihrer mehr als würdig. An dieser Stelle möchte ich auch noch mal Carsten und im Speziellen Diana für diesen wunderschönen Tag danken!

4.3.07 01:48

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Roy P. / Website (5.3.07 14:29)
Gut gelungen!

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