Madrid oder Dnipropetrowsk?

Es war ein Auswärtsspiel der besonderen Art. Selten habe ich mich während eines Spiel so sehr über eine einzelne Person aufgeregt. Aber Michael Kempter hat heute die M.S HSV mit einer Selbstverständlichkeit in die Arktis gesetzt, die kaum zu übertreffen ist. Mehr dazu aber später. Nach einem sehr diskussionsreichen Vorabend ging es am heutigen Sonntag um kurz vor Zwöf Richtung Hannover. Diesmal mit an Bord, natürlich Diana und Anja, die an diesem Tag in Sachen Fussball enjungfert wurde. Als ich Anjas Mimik und Gestig aufm dem Bahnsteig, in Hannover wohlbemerkt analysierte, war mir mehr oder weniger klar, dass sie mit dieser, ich möchte fast sagen asozialen Welt noch nie wirklich etwas zutun hatte. Dementsprechend irritiert war sie dann auch von den fröhlich singenden 96 Fans. Die Hinfahrt bereitete ihr dann naturgemäß überhaupt gar keinen Spass, schliesslich konnte man die Minuten, in denen nicht gesungen wurde, an einer Hand abzählen. Folglich war sie dann deutlich sichtbar erleichtert, als der Sonderzug Bielefeld erreichte. Gegen 14:00 Uhr stolperten wir also aus dem Zug in Richtung Bahnhofsvorplatz. Dort machte Diana dann die Erfahrung, dass auch Bierflaschen der Schwerkraft ausgesetzt sind, was an sich kein Problem gewesen wäre, wenn die Beck's Brauerei ihr flüssiges Gold in Plastikflaschen abfüllen würde. Nach einer knappen Viertelstunde war dann auch der letzte Alkoholiker da, sodass wir uns in Richtung Schücoarena aufmachen konnten. Nach wenigen Metern machten sich dann allerdings eine Großzahl der Fans auf in einen Erotikshop. Naja, wir gingen weiter. Kurz bevor wir dann links in die Kleingärtensiedlung "zum lustigen Toilettengang" gingen, lief uns noch ein symphatischer, aber dummer Freizeitkapitän über den Weg beziehungsweise pöbelte er aus sicherer Entfernung von seinem Balkon. Naja, ich kann ihn verstehen. Was soll man in Bielefeld als Rentner sonst machen? Naja, schliesslich erblicken wir den Türenpalast. Selten habe ich eine so schlechte Organisation eines Bundesligaspiels gesehen, als in dieser Stadt. Das ist wirklich zweitligareif. Einlasskontrollen, wofür? Und als wir dann in unseren Block gehen wollten, der nächste Knaller. Wir mussten durch den aüßersten Block, um dann durch eine kleine Tür, wahrscheinlich von Schüco, in unseren Block gehen zu können. Nunja, irgendwann ging dann das Spiel los, was mich direkt zu Herrn Kempter bringt. Ich habe selten einen Schiedsrichter gesehen, der dermaßen überfordert mit einem wahrlich nicht sehr anspruchsvollen Bundesligaspiel war. Eigentlich ist es dieser Viertklässler nicht wert, sich über ihn aufzuregen, aber wenn man ein klares Handspiel einfach mal so übersieht, handgreiflich gegenüber den Spielern wird und gegen Ende seine Linie völlig verliert, dann frage ich mich ernsthaft, was so ein Mann im Profifussball zu suchen hat, er jedenfalls ist keineswegs ein Profi. Naja, der Spielverlauf selbst lässt sich dann relativ schnell abarbeiten. Bielefeld macht Mitter der ersten Halbzeit das 1:0, dann gleichen wir relativ schnell wieder aus, bekommen aber fast im Gegenzug das 1:2. Zweite Halbzeit, wir machen ordentlich Druck, dürfen aber dank Herrn Kempter kein tor schiessen und werden zu allem Überfluss von Bielefeld ausgekontert. 1:3. Dann war Feierabend und passend zu meiner Laune machte sich über Bielefeld ein Unwetter breit. Naja, ich war bedient, machte mich dann mit Anja, später dann auch mit Diana wieder auf den Weg zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin kamen wir natürlich noch einmal an unserem Kapitän, der inzwischen auch seine Frau mit auf den Balkon geschleppt hatte, vorbei. Diese war mir persönlich sehr symphatisch, weil sie uns die härtesten Beleidigungen an den Kopf knallte, man diese aber nicht wahrnahm, weil sie wie Lukas Podolski ohne Zähne sprach. Naja, Dialekt mal anders. Dank Diana lernten wir dann noch die Bielefelder U Bahn kennen, die den Scharm einer S Klasse aus dem Jahr 1986 besitzt. Zwei Minuten später war dann der Bahnhof erreicht, wo wir uns dann eine letzte Stärkung genehmigten. Die Rückfahrt selbst war dann relativ unspektakulär, was vor allem daran lag, dass wir sie in dem Kinderabteil des Sonderzugs verbrachten, indem wir dann von Streetworkern begleitet wurden. Während der Fahrt lernten wir dann, dass man als Streeetworker einen sehr robusten Magen haben muss. Details möchte ich an dieser Stelle nicht nennen. Naja, irgendwann erreichten wir dann Wunstorf, wo dann schon unser Taxi in Form von Dianas Vater auf uns wartete. So neigte sich ein sehr asozialer Tag seinem Ende.


Das war sie, die Auswärtsfahrt nach Bielefeld, leider, so glaube ich zumindest, war es die Letzte, auf der uns Anja begleitete. Das war einfach nicht ihre Welt. Trotzdem möchte ich ihr an dieser Stelle danken, dass sie das mal mitgemacht hat. Natürlich möchte ich auch Diana danken, ganz besonders sogar. Wofür weiss sie glaube ich selber.

In diesem Sinne, sind wir nicht alle ein bisschen asozial?

12.5.07 22:15

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