Europa GP 2007 am Ring (3/3)

Was folgte, war das Highlight des Wochenendes, der Rennsonntag. Man merkte jedoch deutlich, dass es schon der dritte Tag voller Action war. Das Aufstehen fiel nicht mehr ganz so leicht, wie am Freitag, die Vorfreude allerdings stieg ins Unermessliche. Aufgrund der Strapazen der Vortage entschlossen wir uns spontan dazu, das Formel BMW Rennen ohne uns stattfinden zu lassen. So machten uns pünktlich zum zweiten Lauf der GP2 auf in Richtung Nürburgring. Zumindest dachte ich, dass wir pünktlich unsere Plätze einnehmen konnten. Was ich jedoch nicht berücksichtigte war die Tatsache, dass mein Vater sich vor der Abfahrt spontan dazu entschloss, den Hund durch die halbe Eifel zu jagen. Dementsprechend war der Zeitplan schon etwas eingeengt. Faktor 2, der letztendlich zu einer Verspätung führte war ein kleiner Stau auf dem Weg zum Eifelkurs. Ergebnis dieser Verzögerungen war ein verpasster GP2 Start. Ich hatte nun also schonmal einen mehr oder weniger großen Hals auf Gott und die Welt. Dementsprechend wenig Lust hatte ich dann auch mit meinem Vater per Smalltalk zu kommunizieren. Nur Regen hätte meine Laune weiter drücken können. Aber dieser blieb vorerst aus. Das GP2 Rennen sah dann Javier Villa als Sieger, Lokalmatador Timo Glock, der das Samstagsrennen gewann wurde am Sonntag nur Fünfter. Bruno Senna schied aus. Das erste Highlight des Tages war passé. Es folgte das Nächste. Die Mini Challenge. 36 Mini Cooper S, eine gute Mischung aus jungen, wilden Piloten und Routiniers, dazu noch einige namhafte Gaststarter wie Christian Danner oder Alexander Burgstaller. Perfekte Voraussetzung für ein spannendes Sprintrennen über acht Runden. Dieses Rennen bot Motorsport in seiner reinsten Form. Nichts war zu merken von modernem Motorsport, wie man ihn aus der Formel 1 oder aus der DTM kennt. Im Gegenteil, drei Minis nebeneinander? Kein Problem! Christian Danner, der bei seinem RTL Kommentatorjob eher durch kluge Ratschläge auffällt, zeigte in diesem Rennen, dass er auch hinter dem Lenkrad einiges drauf hat und fuhr aus einer Mittelfeldgruppe bis auf Platz Vier fuhr. Im Allgemeinen bot die Mini Challenge sehr viele spannende Zweikämpfe oder Kampfgruppen, viele Überholmanöver. So vergingen die Acht Runden wie im Flug. Es gewann Daniel Keilwitz vor Ben Spouse. Dritter wurde im ProSieben Mini Hubert Haupt. Kaum fiel die Zielflagge, kaum war der Siegerchampagner vergossen, schon heulten die Motoren des Porsche Supercups auf. Kurz vor 12:00 Uhr starteten dann 30 Porsche 911 GT3 Cup mit 400 PS in ihren siebten Saisonlauf. Auch dieses Rennen bot Rennsport reinsten Wassers. Relativ schnell kristallisierte sich ein Spitzenduo bestehend aus Jeroen Bleekemolen und Christian Menzel als Dominatoren heraus. Dahinter tobte ein Kampf um den verbleibenden Podestplatz. Und wie sooft, wo gehobelt wird, da fallen Spähne. Am Meisten hobelte Uwe Alzen, Beim Angriff auf den Drittplatzierten Richard Westbrook übertrieb er es jedoch ein wenig, drehte sich und beendete das Rennen als Zehnter. Richard Westbrook zeigte sich von diesem Angriff unbeeindruckt und wurde schliesslich Dritter. Gaststarter Frank Biela beendete das Rennen auf Platz 18. Das Rennen des Porsche Supercups war beendet, nun gehört der Ring fest den Formel 1. Es begann mit der Fahrerparade, diesmal nicht wie gewohnt auf einem riesen Truck, sondern alle Fahrer einzeln in den verschiedensten Fahrzeugen. Die Ferraripiloten in einem Ferrari F430, Fernando Alonso und Lewis Hamilton in einem CLK AMG DTM Cabrio. Die weiteren Piloten wurden je nach Arbeitgeber in einem Spyker C8, Lexus SC 430, Renault Megane Cabrio, Honda S2000 und einem Audi RS4 Cario über die 5,1 Kilometer lange Strecke kutschiert. Kurz nach der Fahrerparade stand die Einweihung des Schumacher S an. Michael Schumacher hatte sich die Ehre gegeben und fuhr mit einem F430 höchstpersönlich zu dem Streckenteil, der nach ihm benannt werden sollte. Die eigentliche Einweihung hatte ihm jedoch Lewis Hamilton mit seinem Abflug am Vortag vorweggenommen. Nach einer einstündigen Mittagspause, in der ich mir eine amtliche Portion „Pasta a la Stefano“ genehmigte ging es dann los. Knapp 16.500 PS machten sich auf den Weg in die Einführungsrunde. Spontan fragten wir uns, ob wir noch einmal alle Piloten heile wiedersehen würden. Zum Einen bestand, wie bei jedem Grand Prix die Chance auf einen Startcrash, zum Anderen zogen dunkle Wolken über unsere Tribüne. Wenige Sekunden später spürten wir dann erste Regentropfen. Wir sahen alle Piloten heile wieder, allerdings krachte es in Kurve zwei zwischen den BMW Jungs, was die polnischen Fans auf unserer Tribüne extrem verärgerte. Innerhalb einer halben Runde wurde das leichte Tröpfeln zu einem gepflegtem Platzregen. Das Eifelwetter brauchte nur wenige Minuten, um uns bis auf die Haut zu durchnässen. Die Boliden fuhren plötzlich nur noch im Tempo, der einer 30er Zone angemessen ist um den Kurs, insofern sie überhaupt noch fuhren. Jenson Button, Lewis Hamilton, Adrian Sutil, Nico Rosberg, Antony Davidson, Scott Speed und Vitantonio Luizzi entschlossen sich spontan dazu am Ende der Start/ Ziel Gerade gemeinsam im Sandkasten zu spielen. Die erste Kurve wurde zum teuerste Parkplatz im Umkreis vieler Kilometer. Nach wenigen Minuten hatte dann Lewis Hamilton keine Lust mehr auf seine Spielkameraden und liess sich aus dem Kiesbett befreien. Die wenigen Piloten, die ihre Boliden auf der Strecke halten konnten, wurden dann mit einer Safetycar Phase mit anschliessendem Rennabbruch belohnt. Nach einer knapp 15 minütigen Unterbrechung, die wir Fans auf den Tribünen vor allem zum Trocknen unserer Kleidung nutzten, ging es dann weiter mit zwei Runden hinter dem Safetycar und anschliessendem fliegendem Neustart. Nach kurzer Verwirrung stellte sich heraus, dass ein Deutscher führte! Allerdings nicht, Nick Heidfeld, Ralf Schumacher, nein, Markus Winkelhock im Spyker führte das Feld durch den Restart, konnte die Führung allerdings nur wenige Hundert Meter halten. In Kurve Eins wurde er dann von Felipe Massa und Fernando Alonso kassiert und fiel schnell zurück, in Runde 13 musste er seinen Spyker dann auf einer Wiese parken, Grund dafür war ein Motorschaden. Nun bestimmte der Kampf um Platz Zwei das Rennen, Alonso konnte die Pace von Massa nicht halten und bekam nun selbst Druck von Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari. Einen zweiten Hauptschauplatz bildete die Aufholjagd von Lewis Hamilton, der einen Fahrer nach dem anderen überholte. Das Ziel erreichte er als Neunter. Kurz nach Halbzeit des Rennens, genauer gesagt in Runde 34 musste dann Kimi Räikkönen seinen Ferrari mit einem Defekt abstellen. Somit konzentrierte sich der Kampf um den Sieg auf Felipe Massa und Fernando Alonso. Nicht, dass dieser Kampf nicht spannend genug gewesen ist, die Eifel hatte jedoch einen weiteren Spannungsfaktor für die Fans parat. Dieser ergoss sich dann in Form von Tausenden Regentropfen kurz vor Ende des Rennens über die Strecke. Die Piloten waren nun also dazu gezwungen noch einmal die Box aufzusuchen, um sich mit Regenreifen zu bewaffnen. Mit diesen Reifen schien Massa jedoch so seine Probleme zu haben, Alonso holte deutlich auf den Brasilianer auf. Wenige Runden vor Schluss entstand ein packendes Duell um den Großen Preis von Europa. Dieses Duell gipfelte in einem Wahnsinnsmanöver seitens Fernando Alonsos, der Massa außenrum überholte. Dies ging jedoch nicht ganz ohne einen kleinen Lackaustausch von statten, beide konnten jedoch das Rennen beenden, Alonso als Sieger, Massa als Zweitplatzierter. Dritter wurde überraschend Red Bull Pilot Mark Webber. Bester Deutscher wurde Nick Heidfeld auf Platz Sechs. Ein chaotisches Rennen fand also mit dem Weltmeister seinen Sieger. Somit hatte das gesamte Wochenende mit diesem Rennen einen würdigen Höhe- und Endpunkt gefunden. Was folgte war eine ebenso chaotische Abreise, oder besser gesagt ein 15 Kilometer langer Fussmarsch in Richtung Kelberg. Und auch hier liess sich ein Phänomen, was schon auf den Parkplätzen rund um den Ring zu erkennen war, beobachten. Ein Lamborghini Murcielago ist ein wahnsinnig aufregendes Auto, aber auch ein italienischer Kampstier mit 640 PS steht genauso im Stau wie ein VW Polo mit 45 PS.


Das war es, das Hightlightwochenende mit dem Europa GP 2007. Auf ein baldiges Wiedersehen!

27.7.07 15:50

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