"Halb und Halb" is ne Definitionssache!

Gut ein Jahr nach der letzten Auswärtsfahrt, die mich nach Bielefeld verschlagen hat, wurde es mal wieder Zeit mit dem HSV auf Reisen zu gehen. Als Ziel wurde die wunderschöne „Stadt“ Leverkusen auserkoren. In meinem blauen Partymobil machten wir, das waren dieses Mal Carsten, Daniel, Jan und ich, uns auf in Richtung 96- Fanshop, um uns schon mal im Vorfeld Karten für diesen Kracher zu besorgen. Dort angekommen musste uns der top aktuell gekleidete 96 Mitarbeiter (er trug ein Hannover 96 vs Real Madrid T-Shirt) allerdings mitteilen, dass er die restlichen Karten für den Gästeblock soeben wieder zurück nach Leverkusen geschickt hatte. Egal, ein kurzer Blick in die einschlägigen Fanforen zeigte uns jedoch auf beruhigende Art und Weise, dass auch noch genügend Restkarten an den Tageskassen verfügbar waren. Also konnten wir am folgenden Donnerstag und schließlich am Freitag morgen die letzten Vorbereitungen treffen.

 

Gegen 16:30 Uhr waren dann alle Partywütigen in meinem Auto beisammen – es galt nur noch eine letzte Unklarheit zu bereinigen. Der Sportsfreund Lupi wollte sich auch noch spontan unserer wilden Gesellschaft anschließen. Nachdem er mir knapp zehn Minuten versucht hat zu erklären, wie ich Lohnder denn am Besten ins Nachbardorf Gümmer komme, konnten wir ihm dann mit vereinten Kräften verdeutlichen, dass wir bereits auf dem Weg zu ihm waren. Kurz nach Halb Vier war dann alles, was eine lustige Auswärtsfahrt braucht an Bord. Als da wären fünf junge, gut gelaunte und motivierte Männer in roten Trikots, ein Kasten Herri, drei Mülltüten und vier (?) Frikadellen, die Kollege Bockemüller auf eine wahnsinnige Art und Weise zubereitet hatte. Das große Geheimnis des Rezepts bestand in der Definition von „Halb und Halb“. Jan interpretierte dies so: Hälfte Fleisch, Hälfte Zwiebeln – fertig waren die oralen Duftbäumchen. Vor uns lagen nun 277 Kilometer und ich kann euch versichern, dass kein einziger Kilometer davon langweilig wurde. Für Kamerad Bockemüller wurden die ersten Kilometer allerdings zur einer harten Belastungsprobe. Während sich die übrigen drei Partylöwen auf der Rückbank ein Bier nach dem Anderen genehmigten, hielt sich Jan äußerst diszipliniert an die eigens auferlegte Beertime. Diese Wartezeit versüßte er allerdings nicht nur uns mit feinstem Humor, sondern auch den anderen Verkehrsteilnehmern. Schon auf dem Weg zur Autobahn nahmen wir in Person von Jan Kontakt zu einem Pizzaboten auf. Dieser konnte allerdings eher weniger mit der Charmeoffensive von Jan anfangen. Auf der Autobahn dann folgten zahlreiche philosophische Weisheiten über die verschiedensten Dinge. Kurz vor dem Kamener Kreuz, also schon nach dem „Point of no return“ wurde es auf der Autobahn dann immer voller, sodass der Verkehr zum Stocken kam. Die erneute Chance für Jan, uns von seinen Flirtfähigkeiten zu überzeugen. Sein Opfer, ein belgischer Mitbürger ignorierte ihn allerdings hartnäckig. Uns blieb also eine Neuauflage von „Der Dicke und der Belgier“ erspart. Wenige Minuten später wechselten wir von der A2 auf die A1 in Richtung Köln und nahmen die letzten knapp 100 Kilometer in Angriff.

 

Irgendwann war dann Leverkusen erreicht, ein Parkplatz war auch schnell gefunden. Kaum ausgestiegen nahm Jan schon wieder Kontakt mit den Einheimischen auf und versuchte einem kleinen Jungen, der offenbar nichts anderes zu tun hatte, als planlos durch die Gegend zu rennen., zu zeigen, wie ein Runingman gefälligst zu laufen hat. Was nun folgte war ein knapp 20 minütiger Fußmarsch zur BayArena, vorbei an all den Sehenswürdigkeiten Leverkusens: Wohnhäuser, ein Polizeirevier, noch mehr Wohnhäuser, Rainer Calmunds Privatbunker. Plötzlich tat sich vor uns dann etwas auf, auf der die Leverkusener vermutlich extrem stolz sind: ein Kinderspielplatz. An sich konnten wir das Stadion schon sehen, hören und riechen, wir mussten uns nur noch entscheiden, wo wir den Gästeblock vermuteten. In Anlehnung an der Situation in der Nachbarstadt Köln entschlossen wir rechts abzubiegen. An sich war das natürlich der falsche Weg, allerdings kamen wir dadurch noch an einer weiteren Sehenswürdigkeit vorbei: Geronimo's Getränkemarkt. Auch die Leverkusener schienen extrem stolz auf ihren Geronimo zu sein. Anders kann ich mir nicht erklären, warum das ganze Dorf bei ihm vor der Hütte stand. Wenige Minuten später tat sich vor uns dann endlich die Baustelle BayArena auf. Ein paar nette Ordner verhalfen uns den richtigen Weg zum Gästeblock einzuschlagen, schnell Karten gekauft, durch die Eingangskontrolle, mit Bier und Essen versorgt und ab in den Block. Schon bald stand eine elementare Frage im Raum: Was zur Hölle ist das für ein Bier? Das wird doch wohl nicht...nein, das kann gar nicht sein! Haben die irgendwelche Pillen aus dem Bayerwerk ins Bier geschmissen, oder ist das wirklich alkoholfreies Bier? Mehr oder weniger schnell erhielten wir die Antwort auf diese Frage. Ähnlich wie bei Jans Frikadellen lautete auch beim Bier die Devise „halb und halb“. Aber Jan wäre nicht Jan, wenn er dagegen kein Mittel hätte. Er kaufte sich direkt zwei Bier, zwei mit halbem Alkoholgehalt, zusammen also quasi ein Bier mit normalem Alkoholgehalt, ist doch logisch oder? Jan hatte das Duell gegen die Bierindustrie also gewonnen.

 

Das Spiel war schnell entschieden und so drängte sich immer mehr ein zweites Duell in den Vordergrund: Wir fünf Leute von der Partygesellschaft gegen die Ultras. Diese meinten ab einem bestimmten Zeitpunkt, es genüge, sich selbst zu feiern. Vielleicht ist ihnen auch einfach kein zweiter Schlachtruf eingefallen. Wie dem auch sei, wir hingegen waren der Auffassung, man müsse nun ein wenig Galgenhumor mit in unsere Gesänge einfließen zu lassen. Schnell gewann unsere Widerstandsbewegung immer mehr Anhänger. Die restliche Spielzeit nutzten wir, um Putschpläne gegen die Ultras zu schmieden. Kern dieser Pläne war die Eroberung des Megaphons. Schnell stellen wir fest, dass wir aber eigentlich gar kein Megaphon brauchten. Um es auf den Punkt zu bringen. Wir vernichteten die Ultras mit unseren „Auswärtssieg!“, „Wir sind stolz auf unser Team aus Hannooooover“ und ähnlichen Gesängen. Der absolute Triumph folgte allerdings erst nach dem Schlusspfiff. So langsam leerte sich der Gästeblock nach und nach, bis irgendwann nur noch wir fünf Helden übrig waren. Wir hatten gesiegt! Triumphierend machten wir uns nach wenigen Minuten dann wieder auf den Rückweg. Natürlich nicht ohne die vier unglücklichen Abseitstore der Leverkusener zu analysieren. Nebenbei taten sich noch einige Merkwürdigkeiten auf. Kleines Beispiel gefällig? Die Leverkusener nummerieren ihre Bäume! Kein Scheiß! An jedem Baum rund um das Stadion hängt eine kleine Plakette mit einer Zahl. Warum? Keine Ahnung. Die nun folgenden Minuten waren dann geprägt von versuchten Provokationen der Einheimischen in Bezug auf einen gewissen Herrn Enke, die wir jedoch erfolgreich im Keim ersticken konnten. Nach mehreren Stunden hatten wir dann meinen blauen Löwen erreicht, Jan holte sich schnell noch eine Flasche Kulturgut von einem Kiosk und dann ging es in Richtung Heimat. Lupi verabschiedete sich nach wenigen Metern und träumte im Folgenden wahrscheinlich nur noch von vollbusigen 17- Jährigen. Kurz nach Hagen beherrschte dann nur noch ein Thema das Geschehen. Die Partyvorbereitungen für eine Orgie, die im kommenden Jahr im Großraum Hannover stattfinden wird und für die Ewigkeit ihres Gleichen suchen wird. Kurz nach Drei war dann Gümmer erreicht, was folgte war „Die Kurve“ und ein letzter Zwischenstopp bei McDonalds. Es ist unglaublich schwer einem Unbeteiligten zu erklären, warum diese Auswärtsfahrt die lustigste meines Lebens war, man musste einfach dabei sein, um es nachvollziehen zu können. Es waren einfach unglaublich viele Situationwitze dabei, die mir die Tränen in die Augen getrieben haben. Jetzt im Nachhinein würde sie keiner verstehen, deswegen erwähne ich sie hier nicht.

 

Abschließend möchte ich zunächst Carsten, Daniel, Jan und Lupi für diese unglaublich lustige und einfach nur geniale Fahrt danken, zum anderen möchte ich noch ein paar Fragen in den Raum stellen: Warum hat Burger King in Lichtendorf nur bis 22:30 Uhr geöffnet? Kann man in Kippekofen Kippen kaufen? Dient die Verpflegung im Stadion von Leverkusen als Testträger für das Bayerwerk? Waren wir im Fernsehen und als letzte Frage: Hat Jürgen Stajner gestern Abend gespielt?

 

 

In diesem Sinne: Keep laughing!

 

21.9.08 13:25

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